Gedenken an die Schlacht von Ohamakari (Waterberg) und an den Völkermord in Namibia

Wir leiden an kolonialer Amnesie. Am 11. August 1904 begann mit der Schlacht von Ohamakari der Genozid an den Herero und Nama in der damaligen deutschen Kolonie „Deutsch-Südwest“, dem heutigen Namibia. Noch heute hält sich hartnäckig die Vorstellung, Deutschland sei eine harmlose Kolonialmacht gewesen. Das ist falsch. Wer die Vergangenheit verdrängt, trifft falsche Entscheidungen für Gegenwart und Zukunft. Darum ist es so wichtig endlich einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem kolonialen Erbe zu finden. Tradierte Behauptungen von Ungleichwertigkeit wirken bis heute und bilden den Nährboden für institutionellen  und Alltags-Rassismus.

Bremen hat eine besondere Verantwortung – von hier gingen maßgebliche koloniale Verbrechen aus. Noch heute erinnern Straßennamen an die Täter. Seit vielen Jahren engagieren sich zivilgesellschaftliche Initiativen für einen verantwortlichen Umgang mit unserem Erbe. Darum steht in Bremen auch das einzige Mahnmal bundesweit, welches an den Genozid an den Herero und Nama erinnert. Im vergangenen Jahr, 2018, haben der Verein „Der Elefant!“ e.V. und ich aus Bordmitteln eine Gedenkstunde am 11. August organisiert. Alle Anwesenden waren sich einig, das war gelungen, das war wichtig, das soll verstetigt werden. So hat dieses Jahr „Der Elefant!“ e.V. gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Afrika-Archiv zu einer Gedenkstunde eingeladen. Es war noch mal deutlich besser besucht als im letzten Jahr.

Der Hereroaktivist Israel Kaunantjike aus Berlin und Virginie Kamche vom Afrika-Netzwerk Bremen e.V. hielten sehr gute Reden und wiesen darauf hin, dass wir nicht im Gedenken stecken bleiben dürfen, sondern für die Zukunft agieren. Der Völkermord an den Herero und Nama muss endlich als solcher anerkannt werden, es braucht eine offizielle Bitte um Entschuldigung seitens der Bundesregierung und es braucht natürlich endlich Reparationszahlungen. Die Feierstunde war sehr schön, sehr würdig, sehr relevant. Dafür bin ich dankbar.

Ich hoffe, dass dieses Erinnern an die Opfer des Kolonialismus und den kolonialen Widerstand am 11. August in Bremen gute Tradition wird. Noch wichtiger wird es sein, dass das Wissen um die kolonialen Verbrechen in den Curricula der Schulen verankert wird, dass es eine umfassende Auseinandersetzung mit diesem brutalen Kapitel unserer Geschichte geben wird und wir somit verantwortungsvoller mit Gegenwart und Zukunft umgehen.

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