© Deutscher Bundestag / Thomas Trutschel

Gastbeitrag im Weser-Kurier: „Warum der Hambacher Forst bleiben muss“

Der Sommer war heiß und die globale Temperatur steigt weiter. Jede und jeder kann es inzwischen wissen: wir müssen alles dafür tun, die Klimakrise wenigstens noch zu mildern. Dafür müssen wir raus aus der Kohle. Und wir brauchen unsere Bäume, unsere Wälder. Aber was passiert im Hambacher Forst?

Der noch übrige Forst des ursprünglich mal 12 000 Hektar großen Waldareals soll, wenn es nach RWE geht, dem Braunkohletagebau weichen. Genehmigt sei genehmigt. Aber wäre es nicht sinnvoll, wenn wir Menschen lernen würden, mal inne zu halten, neu nachzudenken und neu zu entscheiden, wenn sich Sachlagen ändern? Unter Klimaforschenden besteht große Einigkeit, dass Deutschland aussteigen muss aus der Energiegewinnung durch Kohle.

Technisch ist es schon heute möglich die Energieversorgung mit Erneuerbaren zu realisieren. In jedem Bundesland arbeiten bereits mehr Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien als in der fossilen Industrie von gestern. Diese Entwicklung in die Zukunft muss gestärkt werde. Die Menschen in den Braunkohle-Abbaugebieten brauchen eine Perspektive, das ist klar. Ein Strukturwandelfond wäre ein geeignetes Instrument um zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Bundesregierung aber steht auf der Bremse und hat lediglich die Kohlekommission eingesetzt. Die Expertinnen und Experten sollen einen Weg finden, wie Deutschland aus der Kohleverstromung aussteigen kann. Die in der Kommission vertretenen Umweltverbände drohen nun mit Ausstieg aus ebendieser Kommission, sollte der Hambacher Forst gerodet werden. Das ist richtig. Denn wenn vor dem Ergebnis der Beratungen Fakten für den weiteren Braunkohlebergbau geschaffen würden, wäre die Kommission mit einem Schlag eine Farce. Sind die Bäume einmal gefällt, würde eine Wiederaufforstung ewig brauchen, von den Tieren die dort leben, ganz zu schweigen.

Die weltweite Fachöffentlichkeit wartet mit Spannung auf die Ergebnisse der Kohlekommission. Meint Deutschland es ernst mit dem Klimaschutz? Sind wir in der Lage, die Zeichen der Zeit zu erkennen und vernünftig darauf zu reagieren? Oder setzt sich eine Industrie durch, die Wälder abholzt und die Klimakrise verschärft. Ich meine: Ein Moratorium ist das Mindeste. Ich habe großen Respekt vor den Aktiven im Hambacher Forst, die seit sechs Jahren dort durch ihren friedlichen Protest den Wald schützen. Sie tun das unter teilweise sehr unangenehmen Lebens-und Witterungsverhältnissen. Sie tun das für uns alle.

Unsere Gastautorin

ist seit 2017 Bremer Bundestagsabgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen. Die 51-jährige Psychiaterin lebt in Schwachhausen, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

(Erschienen im Weser-Kurier vom 01.09., S. 2).

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