Rückblick auf die Gedenkstunde zur Erinnerung an den Genozid an den Herero und Nama in Namibia

Es war eine ganz besondere Stunde am Mahnmal für die Opfer der Schlacht am Waterberg im Nelson-Mandela-Park direkt neben dem Anti-Kolonial-Denkmal in Bremen. Der Verein „Der Elefant!“ e.V. Bremen und ich hatten zu einer Gedenkstunde eingeladen, um den Opfern des ersten Völkermords des 20. Jahrhunderts zu gedenken, Opfern des Genozid an den Herero und Nama. In der damaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“, dem heutigen Namibia gab General Trotha den Vernichtungsbefehl in deren Folge zehntausende Herero und Nama durch deutsche Kolonialtruppen ums Leben kamen. Die Erinnerung an den Krieg gegen die Herero und Nama ist bis heute im Bewusstsein der Menschen in Namibia präsent und wirkt täglich fort. In Deutschland wird unsere koloniale Geschichte bis heute überwiegend verdrängt. Das ist beschämend und fatal. Denn wer seine Vergangenheit verdrängt, trifft falsche Entscheidungen in Gegenwart und Zukunft. Das gilt für Individuen und für Gesellschaften. Tradierte Vorstellungen behaupteter Ungleichwertigkeit zementieren bis heute auf vielfältige, schädliche und beschämende Weise Rassismus in Deutschland. Es ist dringend an der Zeit das zu ändern.

In Bremen steht das einzige Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des Völkermords an den Herero und Nama. Ein Dokumentations- und Gedenkort für die Verbrechen des deutschen Kolonialismus fehlt bis heute in Deutschland. Ebenso fehlt eine offizielle Bitte um Entschuldigung der Bundesregierung für diese Verbrechen.

Ich habe für meine Fraktion auf Bundesebene übernommen, die Auseinandersetzung mit unserem (post-)kolonialen Erbe zu fördern.

Große Anerkennung gilt den lokalen und zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich schon lange um diese Auseinandersetzung verdient machen. Einige davon haben während der Gedenkstunde gesprochen und eindrucksvolle, kluge und würdige Worte gefunden. Vielen Dank an Edith Schütt, Gudrun Eickelberg und Ralph Saxe vom Verein „Der Elefant“ und Prof. Manfred Hinz. Unsere Bremer Beauftragte beim Bund Ulrike Hiller überbrachte ein Grußwort des Bürgermeisters, der jüngst selbst in Namibia war. Gefehlt hat leider der Berliner Herero-Aktivist Israel Kaunatjike, dessen Zug wegen des Sturms ausgefallen war. Das haben nicht nur ich, sondern alle Anwesenden sehr bedauert. Israel und ich haben aber schon vereinbart, dass wir so bald wie möglich ein Veranstaltung in Bremen mit ihm machen. Mein großer Wunsch war eine würdige Gedenkstunde in Demut vor den Opfern ohne hohlen Pathos oder gar Selbst-Beweihräucherung. Wie viele der etwa 80 Anwesenden mir anschließend sagten, sei das gelungen. Das macht mich glücklich. Einen riesigen Anteil daran hat der Sänger Ady Ariwodo, der mit seiner wunderschönen Musik die Herzen und Seelen erreichte. Als wir alle gemeinsam „We shall overcome“ sangen, kamen wohl nicht nur mir die Tränen. Und ein besonderes Highlight war, dass eine große Gruppe Schüler*innen der Schule am Leibnizplatz gekommen war. Obwohl gerade erst am Vortag die Schule wieder angefangen hatte, überzeugen sie ihren Lehrer spontan zur Gedenkstunde zu gehen, statt Unterricht zu machen. Das ist toll. Denn genau dort gehört die Erinnerungskultur hin: in die Schulen und Museen, in die Politik und die Künste, auf den Marktplatz – in die Mitte der Gesellschaft.

Hier geht es zum Bericht von Radio Bremen zur Gedenkstunde:

https://www.ardmediathek.de/tv/buten-un-binnen-Regionalmagazin/Nachrichten-vom-10-August/Radio-Bremen-TV/Video?bcastId=967552&documentId=54994246

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