Bericht zur Eröffnung der Fairtrade-Woche in Bremerhaven unter dem Motto „Fairtrade ist mehr als ein Wort“ am 16. August 2018

Ich kann mir kaum einen Ort vorstellen, der als Fairtrade-Stadt besser geeignet ist als Bremerhaven. Aus der Tradition des Handels erwächst Verantwortung. Deswegen war es mir eine Ehre und eine große Freude die erste Fairtrade-Woche in Bremerhaven als Schirmherrin vergangenen Montag eröffnen zu dürfen.

Seit 2014 ist Bremerhaven Fairtrade-Stadt und Teil der Fairtrade-Region Unterweser. Dieses Jahr wurde Bremerhaven als Fairtrade-Stadt rezertifiziert. Voraussetzung dafür ist neben eines obligatorischen Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung auch eine Mindestanzahl von beteiligten lokalen Geschäften und Restaurants. In Bremerhaven gibt es mit der Sophie-Scholl-Schule die einzige Fairtrade-Schule im Land Bremen. Ich finde, wir sollten anstoßen, dass diesem guten Beispiel noch mehr Schulen folgen. Ganz besonders den Grünen aus Bremerhaven ist es zu verdanken, dass mit einer ganzen Fairtrade-Woche das Engagement der Stadt deutlich darüber hinausgeht.

Unter dem Motto „Fairtrade ist mehr als ein Wort“ werden in einem eigens eingerichteten Pop-Up-Store faire Produkte, aber auch die Geschichten hinter den Produkten und die politischen Forderungen, die sich daraus ableiten in den Mittelpunkt der Stadt gestellt. Denn Waren haben eine Geschichte. Viel zu häufig noch ist dies eine traurige Geschichte. Fairtrade-Produkte haben eine sehr viel schönere Geschichte.

Viele Produkte des alltäglichen Lebens gibt es bereits aus fairem Handel: Kaffee aus Uganda, Rosinen aus Chile, Schals aus Vietnam. Neben dem Genuss von feinstem Kaffee und leckerster Schokolade steckt aber noch viel mehr hinter diesen Gütern.

Fairtrade, das sollte die Regel und nicht die Ausnahme sein. Denn Fairtrade bedeutet gerechte Löhne und Arbeitsbedingungen die nicht krank machen. Besonders negativ hervorzuheben ist (mal wieder) die Tabakindustrie, die trotz oder wegen ihres mächtigen Einflusses weiterhin Kinderarbeit im Tabakanbau mitträgt. Dabei ist gerade der Tabakanbau besonders gefährlich, da die Gefahr einer Nikotinvergiftung droht. Zudem gehören Waldrodungen und der Einsatz von Pestiziden zum Geschäft.

Fairer Handel steht hingegen für einen schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen. Die Fragen des globalen Handels werden mit Menschenrechten und Klimaschutz verknüpft. Klimaschutz selbst bedeutet globale Fairness. Die Folgen des Klimawandels wie Dürre, Extremwetterereignisse und der Anstieg des Meeresspiegels entziehen den betroffenen Menschen ihre Lebensgrundlage und sind damit Fluchtursachen.

Die Bäuer*innen im Globalen Süden sind von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen. Bei zu hohen Temperaturen leidet sogar die Kaffeequalität wegen zu schneller Trocknung, was wiederum zu höheren Kosten für die Bäuer*innen führt, wenn sie in zusätzliche Beschattung investieren müssen.

Fairer Handel fördert die bäuerliche Landwirtschaft, weil er Familien mit kleinen Betrieben finanziell absichert. Die Preise spiegeln den wirklichen Wert der Waren wieder. Zudem wird die Umstellung auf Bioanbau unterstützt, das heißt es werden weniger Pestizide eingesetzt und dadurch entstehen weniger Agrarwüsten. Die Austrocknung von Böden wird durch Schattenanbau und einen besseren Nährstoffgehalt der Böden abgemildert. Zudem enthalten die Fairtrade-Standards je nach Siegel auch Aspekte wie die Umstellung auf erneuerbare Energien. Das zeigt wie beides eng verbunden ist. Wir brauchen Klimaschutz und Fairtrade.

Und doch wird weniger als 5% unseres Kaffees fair gehandelt und bei anderen Waren sieht es noch schlechter aus. Jede individuelle Konsumentscheidung für ein Produkt aus fairem Handel ist zu begrüßen, doch vor allem müssen durch einen Politikwechsel andere Regeln in der Handels- und Klimapolitik geschaffen werden, damit die Ausbeutung des globalen Südens beendet wird. Die EPAs, also die Wirtschaftsabkommen der EU mit verschiedenen afrikanischen Ländern manifestieren eine postkoloniale Struktur. Das haben wir Grüne auch im Bundestag deutlich gemacht. Auswüchse wie der Export von Hähnchenschenkeln aus Europa (weil hier vor allem die Brüste gegessen werden) sind perfide und zerstören die Wirtschaft vor Ort.

Waren haben eine Geschichte und ich finde das sollten Geschichten von Selbstbestimmung, Gerechtigkeit und einem guten Umgang mit unseren gemeinsamen Ressourcen sein. Es gibt noch viel zu tun. Wir können viel tun.

 

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