Hebammenausbildung jetzt reformieren!

Deutschland ist das letzte Land in der Europäischen Union, in dem Hebammen noch nicht akademisch ausgebildet werden. Das hat die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage unserer Fraktion ergeben.

Dabei ist die Akademisierung der Hebammenausbildung längst beschlossene Sache: das EU-Recht gibt vor, dass Hebammen zukünftig nur noch dann europaweit anerkannt werden, wenn sie eine zwölfjährige Schulbildung und eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung vorweisen können. Die Hebammenverbände fordern eine solche Akademisierung schon lange.

Frist für die Umsetzung der EU-Richtlinie ist der Januar 2020.Doch die Bundesregierung legt die Hände in den Schoß. Obwohl die Reform der Ausbildung im Koalitionsvertrag beschlossen wurde, kann Spahn nicht mal einen Termin nennen, wann ein Gesetzentwurf zur Novellierung des Hebammengesetzes vorgelegt wird.

Bundesregierung völlig planlos

Auch inhaltlich ist die Bundesregierung anscheinend völlig planlos: sie kann weder sagen, ob sie die akademische Ausbildung von Hebammen zukünftig verpflichtend oder nur freiwillig machen will. Sie kann nicht sagen, wie viele Studienplätze, Lehrkräfte oder Promotionsstellen zukünftig benötigt werden, geschweige denn, wie das Studium aufgebaut und finanziert werden soll oder wie das Wissen der heutige tätigen Hebammen in die Ausbildung integriert wird.

Reform der Hebammenausbildung jetzt

Spahn lässt damit sowohl werdende Mütter als auch Hebammen im Regen stehen. Nachdem er  schon bekundet hat, nichts an den Bedingungen in Kreißsälen ändern zu wollen und auch sonst keinen Handlungsbedarf bei der Geburtshilfe erkennen kann, zeigt seine Antwort erneut, wie wenig wichtig der Bundesregierung dieses Thema ist.

Angesichts der erheblichen Probleme bei der Hebammenversorgung müssen interessierte Nachwuchskräfte sicher sein können, dass ihre Ausbildung attraktiv europaweit anerkannt ist. Auch die Hebammenverbände fordern eine solche Akademisierung schon seit langem, weil sie die einzig logische Antwort auf die gestiegenen Anforderungen sind, mit denen sich Hebammen in ihrer Arbeit konfrontiert sehen.

Wir fordern die Bundesregierung daher auf, bis Ende des Jahres einen Gesetzentwurf zur Novellierung der Hebammenausbildung vorzulegen. Hebammen leisten eine unverzichtbare Arbeit; ihre Ausbildung muss sichergestellt sein.

Keine Zahlen zu Familienhebammen

Dass der Bundesregierung das Thema Hebammenversorgung augenscheinlich nicht wichtig ist, zeigt sich auch an einer anderen Tatsache: sie hat keinerlei Angaben dazu, ob die Zahl der Familienhebammen in Deutschland derzeit ausreicht oder ob Stellen unbesetzt sind. Damit ist unklar, ob der Kinderschutz, so wie er von der Bundesregierung mit dem Netzwerk „Frühe Hilfen“ vorgesehen ist, wirklich Realität wird.

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