Laudatio zum 90. Geburtstag von Kurt Nelhiebel

Laudatio zum 90. Geburtstag des Journalisten und Chronisten des 1. Auschwitz-Prozesses, Kurt Nelhiebel, in der Villa Ichon am 21.6.2017

Sehr geehrter, lieber Kurt Nelhiebel, liebe Irmtrud Wojak, liebe Nicole Nelhiebel,

meine Damen und Herren,

 

als Frau Dr. Irmtrud Wojak mich bat, heute hier die Laudatio zu Ehren von Kurt Nelhiebel, dem Journalisten, Poeten, Karikaturisten, Chronisten –  und sicherlich noch vielem mehr – zu halten, habe ich sehr gern zugesagt. Auch wenn ich meine, dass andere möglicherweise berufener wären, auf jeden Fall Kurt Nelhiebel viel länger und besser kennen.

Und wenn ich nun versuche mich Ihnen, lieber Kurt Nelhiebel in dieser Laudatio voller Anerkennung, und auch Bewunderung anzunähern, tue ich das in dem Bewusstsein, dass dies unvollständig, lückenhaft, vielleicht sogar fehlerhaft bleiben muss. Wie übrigens natürlich alle Laudationes immer unvollständig bleiben. Nicht umsonst hat uns Sartre darauf hingewiesen, dass jeder Mensch der ganze Mensch ist – mit allen Schattierungen, mit allem was so dazu gehört. Und bleibt den meisten Menschen schon ihre eigene Vollständigkeit innerlich verborgen, so muss sie bei einer Annäherung von Außen notgedrungen unvollständig und somit auch fehlerhaft bleiben. Denn zumindest fehlt ja die Innenansicht.

Glücklicherweise haben Sie, lieber Kurt Nelhiebel, kürzlich ihre Autobiografie „Gegen den Wind“ veröffentlicht. Eine Autobiografie überwiegend in analytischen Texten zum Zeitgeschehen, was ja auch schon wieder eine Aussage ist.

 

Und tatsächlich zeigt sich bei der – übrigens Ihnen allen empfohlenen Lektüre – wie Ihr Leben auf Engste verwoben ist mit dem politischen Zeitgeschehen. Biografisches und politische Analysen, Essays, Karikaturen, Gedichte und die Ereignisse der Welt, alles gehört untrennbar zusammen und all das sind Sie. Auch dann, wenn Sie sich Conrad Taler nennen.

 

Die Grundierung von Kurt Nelhiebels Arbeit und Leben ist der antifaschistische Antrieb. Ohne Unterlass spürt er das Fortleben rassistischen und völkischen Denkens auf und konfrontiert die Welt damit.

Um publizistisch freier agieren zu können und im Deutschland der Nachkriegszeit weiterhin von NS-Propaganda durchzogenes politisches Geschehen aufzudecken, schrieb und kommentierte er, auch in seinem Sender Radio Bremen, unter dem Pseudonym Conrad Taler.

 

Eine Sekretärin von Radio Bremen stellte mal erstaunt fest, „der Conrad Taler hat ja die selbe Stimme, wie der Herr Nelhiebel.“ Manch Bremer Politiker erkannten die eine Person mit der starken, klaren Haltung und den zwei Namen aber nicht. Lobte den Nachrichtenchef und empörte sich über den Kommentator.

 

Ich lernte Kurt Nelhiebel vor ziemlich genau einem Jahr persönlich kennen.

 

In der Bremischen Bürgerschaft sollte die „Ermittlung“ von Peter Weiß gelesen werden, dieses starke Werk in dem Peter Weiß Originalzitate aus dem Auschwitz-Prozess lesen lässt und so ein Bild des Grauens in einer Dichte und Eindrücklichkeit zeigt, dass es kaum auszuhalten ist – weder für die Lesenden, noch für die Zuhörenden. Schon gar nicht für die, die sich vor Augen führen, dass das unser aller Geschichte und unser aller Erbe ist – das der  Opfer und der Täter und ihrer jeweiligen Nachkommen.

Es hatte mehrere vorbereitende Lesungen gegeben und eine Generalprobe. Obwohl ich das Werk seit vielen Jahrzehnten kannte, setze mir das alles sehr zu. Am Abend der Aufführung nun, saß Kurt Nelhiebel alleine auf einem Sessel in der Bürgerschaft und wartete wie auch ich, darauf, dass die Lesung losginge. Das Publikum nahm gerade seine Plätze ein. Es war eine bedrückte Stimmung. Und Kurt Nelhiebel sah besonders bedrückt aus.

Ich kannte natürlich den großen Kurt Nelhiebel und war erst unsicher, ob ich ihn ansprechen dürfe. Ich entschied mich dafür und setze mich ihm gegenüber und obwohl er natürlich nicht wusste wer ich bin, entwickelte sich ein kurzes und wichtiges Gespräch. Wir haben uns so beide gegenseitig getröstet und diesen Abend für uns jeweils möglich gemacht, ohne das zu diesem Zeitpunkt jeweils von dem Anderen zu wissen. Und so begann ein bis heute anhaltendes Gespräch, das wir manchmal bei ihm zu Hause in seinem Arbeitszimmer, mal per Mail oder telefonisch fortsetzen und für das ich außerordentlich dankbar bin.

 

Den 1. Auschwitz-Prozess hat Kurt Nelhiebel als Journalist verfolgt, beobachtet und eben davon berichtet. Seine Eindrücke teilt er in seinem viel später erschienen Buch „Asche auf vereisten Wegen“ mit uns und auch in seinem gerade erschienenen autobiografischen Werk „Gegen den Wind.“

 

„Es hat lange gedauert, bis einige Beteiligte an den Auschwitz-Verbrechen 1963 in Frankfurt am Main vor Gericht gestellt wurden. Ich war dabei, als die Überlebenden der Todesfabriken in den Zeugenstand traten und im Beisein ihrer Peiniger zu Protokoll gaben, was in Auschwitz geschah. Auf der Anklagebank sah ich Männer mit Durchschnittsgesichtern, keine Monster mit blutunterlaufenen Augen. Kaufleute waren darunter, Handwerker, Apotheker und Zahnärzte. Menschen, wie du und ich. Aber sie verkörperten ein Grauen, das mich bis in den Schlaf hinein verfolgte. Als die Verhandlung begann, war ich Mitte dreißig. Über die Todesfabrik im besetzen Polen hatte ich schon einiges gelesen. Dennoch erlebte ich den Prozess wie einen Alptraum. Quälend war jedes Mal auch die Rückkehr in den Alltag. Musste das Leben nicht stillstehen angesichts des Grauen, das eben noch im Gerichtssaal auf mich eingestürmt war?“ („Gegen den Wind“ S. 252/253)

 

Nelhiebel formuliert weiter:

„Es gibt keine Strafe, die dem Unfasslichen gerecht werden könnte. Die nachfolgenden Generationen können nur eines tun: durch ihr klares Nein gegenüber allen Versuchen das Geschehene zu bagatellisieren oder zu relativieren, den Opfern Respekt zu erweisen. Damit schützen sie sich selbst vor einem wie auch immer gearteten Rückfall in die Unmenschlichkeit.“ („Gegen den Wind“ S. 258)

 

Sechs Jahre dauerte übrigens die Suche nach einem Verlag für das Buch „Asche auf vereisten Wegen – Berichte vom Auschwitz-Prozess.“

 

Nelhiebel blieb dran und fand einen Verlag, wie er auch sonst einen langen Atem beweist – Wer gegen den Wind segelt braucht einen langen Atem, eine klare innere Haltung und die Selbstverständigung, dass das alles Sinn macht.

 

Und es macht Sinn, großen Sinn. Unbestechlich und unbeirrbar erkennt und benennt Kurt Nelhiebel, bis heute, Tag für Tag Geschichtsklitterungen, altes und neues braunes Gedankengut.

 

Zentral ist ihm dabei die Auseinandersetzung mit seiner Herkunft in Böhmen und der kritische Blick auf die sudetendeutschen Landsmannschaften. Er schildert in seinen Werken präzise die Verflechtungen sudetendeutscher Volkstumspolitiker mit Hitler bei der Zerstörung der Tschechoslowakischen Republik.

 

Die Frage was Heimat ist, treibt ihn bis heute um:

„Heimatliebe ist nicht das Vorrecht von Leuten, die sich national nennen, aber nur „Dunst und Dusel, das faule, wehleidige, brutale Gemüt im Sinn haben. Sie hat nichts zu tun mit Alleinherrschaft, Unduldsamkeit oder gar Feindschaft gegenüber Menschen anderer Sprache oder anderer Hautfarbe, sondern ist Ausdruck der Sehnsucht der Menschen nach Geborgenheit und Frieden.“ („Gegen den Wind“ S. 125)

 

Im Sommer 1946 schrieb er in sein Tagebuch:

„Der fruchtbare Gedanke, die Heimat für immer verlassen zu müssen, treibt mir Tränen in die Augen. Sollte mein Weg mich jemals wieder hierher führen, werde ich nur zu Besuch sein, daheim sein werde ich hier nie mehr.“

Und so kam es, als er Jahrzehnte später wieder kam, war ihm alles seltsam fremd – auch die Schwester.

 

Kurt Nelhiebel erblickte in Böhmen das Licht der Welt. Tatsächlich das Licht, da die Sonnenfinsternis an diesem Tag, gerade eben wieder vorüber gegangen war, als er zur Welt kam.

Ihr Vater hat die Umstände Ihrer Geburt wie folgt geschildert : „Wenn ich an den 29. Juni 1927 denke, an die achte Stunde dieses Tages, da Arzt und Hebamme der äußerst kritischen Situation wegen vor der Frage standen, Mutter oder Kind – und  die Antwort lauten musste: die Mutter.“ („Gegen den Wind“ S. 8)

Es wurde nach dem besten Arzt der Stadt geschickt und dieser beförderte das ganze Kind zu Tage, doch es atmete nicht, der Arzt lies kaltes Wasser bringen und übergoss den Knaben, da begann er zu atmen und wie der Vater schrieb: „gerettet waren Mutter und Kind.“

Ich stelle mir vor, dass so eine kalte Dusche in der ersten Minute des Lebens einen gewissermaßen imprägniert, gegen so manch spätere Unbill.

 

Das geschah also vor bald 90 Jahren in Deutsch-Gabel, einem Ort in der heutigen tschechischen Republik, in Böhmen, nahe der polnischen Grenze, welches früher mal zu Österreich gehörte. Die Eltern waren tschechische Bürger als Böhmen im Oktober 1938 in das deutsche Reich eingegliedert wurde – ihnen wurde die deutsche Staatsbürgerschaft zuerkannt. Als das deutsche Reich 1945 unterging und die abgetrennten Gebiete wieder an die Tschechoslowakei fielen, verloren die dort lebenden Deutschen die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die Antifaschisten durften wählen, ob sie wieder Tschechen sein wollten. Wenige nur trafen diese Wahl, die Meisten verließen ihre Heimat.

So auch Kurt Nelhiebel, dem 1950 die deutsche Staatsangehörigkeit zugesprochen wurde.

 

Dem voran gegangen war die faschistische Schreckensherrschaft. Und heute wird ja gern in fast jeder Familie erzählt, dass sie entweder nichts wussten von den Schrecken, der systematischen Ermordung der Juden, der psychisch Kranken und Behinderten, der Kommunisten, der Antifaschisten oder dass quasi die ganze Familie dem Widerstand angehört habe.

Leider, auch das wissen wir, trifft in den wenigsten Fällen weder das eine noch das andere zu.

 

Und die, die tatsächlich Widerstand leisteten sind heute oft vergessen, die Namen häufig nicht überliefert, auf jeden Fall nicht in den Geschichtsbüchern zu finden.

 

Familie Nelhiebel ist so eine Familie. Schon die Eltern waren aufrechte Antifaschisten und erzogen ihren Sohn Kurt in eben diesem aufrechten Geist.

Dieser aufrechte Geist ist Kurt Nelhiebel bis heute zu einem elementaren Bestandteil seiner Persönlichkeit geworden. Genauso wie er atmet, erkennt er sofort autoritäres Gedankengut, ausgrenzendes Handeln und Menschen, die zu ihrem eigenen Vorteil opportunistisch völkisches Denken unterstützen.

Als 11jähriger hörte er 1938 gemeinsam mit den deutschen und den tschechischen Nachbarn die Rede Hitlers auf dem Reichsparteitag in Nürnberg.

Am 1. Oktober dann überschritten deutsche Truppen die Grenze zur Tschechoslowakei begeistert bejubelt von abertausenden Sudetendeutschen.

Ärger gab es unter anderem weil Kurt nicht zu den Zusammenkünften der Hitler Jugend erschien.

1944 dann wurde er zur Wehrmacht eingezogen, mit einer List gelang es ihm ins Lazarett zu kommen und so dem weiteren Kriegseinsatz zu entgehen. Er geriet in russische Kriegsgefangenschaft, von wo ihm die Flucht gelang.

Im Mai 45, wenige Stunden nach Kriegsende verstecke er sich weiterhin im Wald, er wusste ja nicht, dass der Krieg vorbei war, wanderte nachts Richtung Heimat, fiel tschechischen Soldaten in die Hände, wurde fast erschossen, weil er als Nazi verdächtigt wird, kommt durch Glück oder durch den Schutz der Liebe, zumindest letztlich durch einen Brief seines antifaschistischen Vaters, den er in der Jackentasche mit sich trug, davon.

 

Sie überlebten also – wieder, zum Glück!

Zu Ihrem Glück und zum Glück Ihrer späteren Familie.

Das größte Glück Ihres Lebens war wohl, dass Sie Ihre Frau Ilse trafen und 58 Jahre gemeinsames Lebens geteilt haben bis ihr Herz auf einmal aufhörte zu schlagen und Ihre beiden Kinder. Ihr Sohn Klaus, der tragisch ums Leben gekommen ist und Ihre Tochter Nicole, Musikchefin bei Radio Bremen, die hier an der Seite Ihres Schwiegersohnes Sven Harms sitzt.

Bei allem Lebensglück ist eben auch der Verlust Teil Ihres Lebens, Verlust und Schmerz: Verlust der Heimat, der Ehefrau, des Sohnes.

 

Jeder Mensch ist eben der ganze Mensch.

 

Für die Welt ein großes Glück und bereichernd ist sicher unter vielem Anderen, Ihre Fähigkeit in Ihren Texten, aber auch im Gespräch, blitzgescheit, auf den Punkt zu analysieren, einzuordnen und das immer mit einer klaren antifaschistischen Haltung, einem unbestechlichen inneren Kompass. Diese besondere Klarheit und in jeder Minute präsente Art, diese absolute Konsistenz zwischen Gesagtem, Geschriebenem, Gelebten ist mir bisher nur selten begegnet.

Haltung ist vielleicht das Entscheidendste was wir brauchen in dieser Welt, um der Welt begegnen zu können und um die Welt zu gestalten.

 

Das empfehlen Sie auch – gegen den aktuellen Zeitgeist – jungen Journalistinnen und Journalisten. Sie finden es richtig, ja notwendig als Journalist nicht nur eine Haltung zu haben, sondern auch Stellung, Haltung zu beziehen.

 

Wenn ich sage, der Welt begegnen, dann meine ich „Begegnen“ durchaus auch in der Bedeutung der „Gegnerschaft“. Wenn Menschen einander begegnen, dann begegnen sich immer auch zwei Gegner. Zwei Menschen, möglichst auf Augenhöhe, die autonome Individuen sind, mit eigenen Gedanken und Vorstellungen. Wenn Menschen einander so begegnen, dann entsteht Respekt. Und auch das kann Kurt Nelhiebel besonders gut: andere in ihren Äußerungen ernst nehmen, und er fordert ein ebensolches vom Anderen ein: ernst genommen zu werden.

 

Bemerkenswert wie ihm das immer wieder gelingt. So zum Beispiel mit dem bekannten und allseits geschätzten Autor Peter Härtling der das Vorwort zu dem Jugendbuch „Der rote Nepumuk“ geschrieben hatte. Nelhiebel machte in dem Buch „übelste Klischees aus der Rumpelkammer  deutsch-völkischer Propaganda“ aus und fragt Peter Härtling schriftlich in einem respektvollen, aber sehr kritischen Ton, ob ihm das denn nicht aufgefallen sei.

Daraufhin antwortet Härtling mit einem handgeschriebenen Brief:

„Lieber Herr Nelhiebel, ihre Rezension führt mir wieder einmal vor, wie ein erstes, spontanes Urteil zum Vorurteil wird und keine Einsicht mehr zulässt. Ich habe den roten Nepumuk gleichsam gegen mein Gedächtnis und mein Gewissen gelesen…“ („Gegen den Wind“ S. 111)

 

Oder auch die Korrespondenz mit einem dpa-Jorunalisten, in dessen Meldung Nelhiebel einen systematischen Fehler in der Berichterstattung über die Sudetendeutschen, deren gewollte oder ungewollte Unterstützung Hitlers erkannte und den Journalisten darauf hinwies.

 

Dieser antwortete erst freundlich, unbestimmt, später eher unwirsch, dann gar nicht mehr und nachdem Nelhiebel nicht locker lies mit folgender Einsicht : „ich bin Ihnen dankbar, dass Sie mein Bild über die Vertreibung und die entsetzlichen Vorgänge dieser Zeit differenziert und bereichert haben.“ („Gegen den Wind“ S. 87)

 

Es nützt eben etwas wenn man Haltung zeigt und diese auch vom Gegenüber einfordert.

 

Als die Probezeit von Kurt Nelhiebel bei Radio Bremen sich dem Ende näherte, bekam der damalige Intendant Besuch des damaligen Innensenators, der ihm mitteilte, dass der Herr Nelhiebel vorher für eine antifaschistische Zeitung geschrieben habe, vielleicht natürlich auch dass er Kommunist sei.

 

Nelhiebel dazu: „das Wort antifaschistisch verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft, die sich einig sind in der Ablehnung des Naziungeistes. Überall auf der Welt öffnen sich bei dem Wort Türen und Herzen, nur bei uns nicht.“ („Gegen den Wind“ S. 276)

 

Der Intendant war aus anderem Holz geschnitzt. Er blieb standhaft. Allerdings musste sich der Chefredakteur mit seinem Amt für Kurt Nelhiebel verbürgen.

 

So konnte Nelhiebel seine Arbeit als Nachrichtenredakteur und von Anfang an unter dem Pseudonym Conrad Taler auch als Kommentator fortsetzen und wurde schließlich Nachrichtenchef. Als er Chefredakteur werden sollte, winkte er ab.

 

Warum das weiß ich nicht, vielleicht auch damit er noch Gelegenheit hatte, neben der Familienzeit, seine Modellflugzeuge fliegen zu lassen.

Oder um mehr Karikaturen zeichnen zu können oder um zu dichten. Ihr erstes Geld haben Sie mit  einem Gedicht verdient. Einige davon werden wir gleich vorgetragen durch den Schauspieler Martin Baum hören.

 

Zu seinen größten Verdiensten, neben den schon gewürdigten Reportagen über den Auschwitz-Prozess und die scharfsichtigen Gedanken über die Ursachen von Krieg und Vertreibung gehören ganz sicher, dass er Fritz Bauer, den großen unerschrockenen hessischen Generalstaatsanwalt, als Erster in die Öffentlichkeit rückte. Inzwischen sind ja sogar Filme erschienen und die interessierte Öffentlichkeit kennt Fritz Bauer und seinen nicht hoch genug zu schätzenden Beitrag gegen die Geschichtsvergessenheit.

 

Vielleicht findet sich auch ein kluges, mutiges Filmteam und verfilmt mal das Leben von Kurt Nelhiebel?

 

2014 wurde Kurt Nelhiebel für sein Lebenswerk der Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon verliehen.

 

Schließen will ich mit einem Zitat des Auschwitz-Überlebenden Primo Levi:

„Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“(„Gegen den Wind“ S. 270)

 

Und darin liegt wohl auch der Kern des Lebens und Wirkens von Kurt Nelhiebel. Es ist glücklicherweise gar nicht möglich ihn quasi in der Vergangenheit einzuschließen, er ist quicklebendig, tut weiterhin täglich das, was er schon immer getan hat, recherchieren, sich einmischen, Haltung beziehen, mit nun fast 90 Jahren, für ein antinationalistisches Gedächtnis, für ein Heute und ein Morgen des Friedens und der Gerechtigkeit.

 

Herzlichen Glückwunsch Kurt Nelhiebel zu 90 Jahren gelebtem Leben und alles erdenklich Gute für Ihre Zukunft!